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Die Krise bewältigen durch Abstand zum Leben

Als vor vielen Jahren eine ernsthafte autoimmunologische Erkrankung mir den Boden unter den Füßen weggezogen hatte, erlebte ich eine schwere Lebenskrise. Alles was mir wichtig war ist zusammengebrochen: ich konnte meine Arbeit nicht weiter ausführen, meine Freunde waren nicht mehr da und in der Familie herrschte Unruhe und Anspannung. Es geht mir schon seit vielen Jahren wieder sehr gut, aber angeregt durch die Corona-Krise, frage ich mich:

Wann und wie ist es mir gelungen, meine Krise zu überwinden? 

Was können wir tun, um die Corona Krise psychisch gut zu überstehen?

und woran erkennen wir, dass uns das gelungen ist?

Diese Fragen stelle ich mir, weil ich denke, dass durch die Bewältigung vergangener Herausforderungen, Bewältigungsressourcen vorhanden sind, auf die man im Falle einer neuen Herausforderung zurückgreifen kann.

Um die Frage: „wie ist es mir gelungen, meine persönliche Lebenskriese zu überwinden“, muss ich weit in die Vergangenheit zurückblicken. Ich kann mich noch sehr gut an den grauen Dienstagnachmittag im Februar erinnern, als mein Mann mit einem scheinbar unscheinbaren Buch nach Hause kam und mir sagte: „Das könnte dir helfen, meinte Dr. Guss. Wenn nicht, dann ruf ihn einfach an.“ Mein erster Gedanke war: „Was soll ich mit diesem Buch, das kann mir doch auch nicht helfen“. Zum Glück war es ein schmales und kleines Buch, so dass ich dachte, ich könnte es ja kurz überfliegen. Es kam anders.

Das Büchlein heißt „Abstand zum Leben“ mit dem Untertitel „Die zweiten Gedanken sind oft die besseren.“ 

In diesem Buch las ich zum ersten Mal, dass „Einen Tiefpunkt zu erreichen (engl.: to hit buttom), kann etwas Gutes haben, denn in jeder Katastrophe, in jeder Krisis (gr.: entscheidende Wendung) steckt eine Chance.“ Nun war ich erst recht verärgert, denn ich hatte es überhaupt nicht vor mich zu wenden. Fest entschlossen wollte ich an meinem alten Leben, vor der Krise, festhalten. Heute weiß ich nicht mehr, was mich davon abgehalten hat, das Buch gereizt in die Ecke zu legen, um es dort verstauben zu lassen. Vielleicht war es nur ein Zufall, dass ich weitergelesen habe. Das war gut so, denn wenn man weiterliest erfährt man, dass der Autor, seine Leser mit der schwierigen Aufgabe, nicht alleine lässt. Er schlägt vor, dass man: 

In eine Krise „Sich-über-ein-Problem“ stellen sollte, um einen heilenden Abstand vom Leben zu gewinnen.

Er schreibt weiter: „Unter >>Abstand vom Leben<< verstehe ich dabei nicht Flucht oder Realitätsverleugnung. Unter >>Abstand vom Leben<< verstehe ich den Abstand, den wir brauchen, um unsere Probleme zu lösen und um unsere Hausaufgaben zu machen. In diesem Sinne bedeutet Abstand nehmen nicht weglaufen, sondern die Duldung von Umwegen. Wir müssen uns zeitweilig vom Problem entfernen, um es zu lösen. Wir müssen Abstand von der Not des Lebens gewinnen, um die Qualität des Lebens zu heben“. (Guss, 2001)

Mit „Abstand zum Leben“ ist daher sowohl „Abstand vom Leben“ wie „Abstand für das Leben“ gemeint. 

Ich will nicht sagen, dass ich das damals sofort begriffen habe. Es sollten noch einige Monate und Jahre dauern bis es mir gelungen ist, den tiefen und weitreichenden Sinn dieser Sätze zu verwirklichen. Heute erahne ich, dass es mir zumindest teilweise gelungen ist, denn mein Leben ist jetzt wunderschön. 

Vielleicht ist die Corona Krise eine Einladung für uns alle um >>kollektiv Abstand vom Leben zu nehmen<<. Wir müssen doch nicht an einem Lebensstiel festhalten, den die meisten von uns kurz oder langfristig krank gemacht hat, wie Stress, Ängste und Depressionen, sowie eine Reihe von Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten beschert hat. Vielleicht ist endlich die Zeit gekommen, wo wir kollektiv  >> Abstand für das Leben<< nehmen, damit wir achtsam mit uns selbst, mit unseren Mitmenschen und mit unser Erde umgehen. Dann könnten wir es schaffen wirklich glücklich zu sein.

Wenn sie Hilfe brauchen, weil Sie selbst eine Krise erleben, sei es die Corona-Krise oder eine andere, melden Sie sich bei mir. Mit meine Beratung läuft Vieles besser, ohne Beratung läuft in der Krise oft nichts.

Psychotherapie Warburg

Ich biete Psychotherapie und Beratung für Privatpersonen und Unternehmen an.

In akuten Notfällen oder schweren psychischen Krisen rufen sie bitte die Nummer 112 an.

2020 Timea Schroff-Spiering © Psychotherapie in Warburg